top of page
Überlaufender Kanaldeckel

Regenwassermanagement

Hochwasserschutz beginnt bei einem konsequenten und nachhaltigen Regenwassermanagement.

Über die Wasserverbände versuchen wir in dieser Thematik positiv auf die Gemeinden und deren Bauvorgaben einzuwirken. Die voranschreitende Versiegelung von Flächen führt zu weiterführenden Problemen, denen unbedingt entgegengewirkt werden sollte.

 

Siedlungsgebiete

Mehr verbaute Fläche führt unweigerlich dazu, dass im Starkregenfall deutlich mehr Regenwasser rasch und unmittelbar in die Kanalsysteme bzw. in weiterer Folge in die Gewässer abgeleitet wird. Es kommt dadurch immer früher zu einer Überlastung des Kanalsystems und auch die Gewässer werden stärker dotiert.

 

Bei Betrachtung des anfallenden Regenwassers für jedes einzelne Bauprojekt, sind die Mengen vernachlässigbar. Über die Jahre tritt hier jedoch eine Kumulationswirkung ein, die beträchtlich sein kann. Denn die Regenmengen die unmittelbar abgeleitet werden müssen, werden durch die Versiegelung zunehmend größer, während aber bestehende Kanalsysteme nicht ausgebaut und den Gewässern nicht mehr Platz gegeben wird. 

Überlaufender Kanaldeckel

Aus diesem Grund braucht es aus unserer Sicht verbindliche Auflagen für Bauwerber, und zwar nicht nur bei Großprojekten, sondern auch im Bereich der Einfamilienhäuser. Solange solche Vorgaben nicht über die niederösterreichische Bauordnung vorgeschrieben werden, sollten Gemeinden hier selbst aktiv werden. Als Baubehörde der ersten Instanz können Gemeinden dazu Auflagen erteilen. Einige Gemeinden sind in den vergangenen Jahren bereits aktiv geworden.

 

Welche Auflagen bzw. Maßnahmen können zielführend sein:

  • ​Versickerung vor Ort, dort wo es der Untergrund zulässt. Vorteil: das Wasser bleibt in der Region und stärkt den Grundwasserkörper für sehr trockene Phasen.

  • Regenwasserzisternen mit einem Überlauf in den Regenwasserkanal als erster Puffer bei Starkregenereignissen. Vorteile: wenn die Zisterne vorab nicht voll war, wird zumindest ein Teil des ersten Schwungs an Regenwasser dezentral gepuffert und die Auswirkungen abgefedert bzw. verzögert. Zusätzlich kann das Regenwasser in Folge auch als Brauchwasser für Haus und Garten genutzt werden. Bei zunehmender Wasserknappheit wäre das ein wesentlicher Beitrag.

  • Begrünung von Dächern

  • Bei größeren Wohnbauprojekten kann auch die Herstellung von Sickermulden und kleineren Regenwasser-Sammelbecken für die gewünschte Entlastung der Systeme sorgen.

Freiland - der Raum abseits der Siedlungsgebiete

Außerhalb der Siedlungen sorgen oftmals Industriegebiete für eine großflächige Versiegelung von offenen Flächen. Bei solch großen Projekten werden von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft, meist schon im Bewilligungsverfahren, Auflagen zur Herstellung von Sickerflächen erteilt. Wenn diese Anlagen ordnungsgemäß errichtet werden, funktionieren sie grundsätzlich auch. Dennoch ist folgendes zu beachten:

  • Wer kümmert sich in den Folgejahren darum, dass diese Versicherungsflächen auch funktionsfähig bleiben? Feinsedimente schlemmen diese Bereiche mehr und mehr zu und die ursprünglich vorgesehene Versickerung kann nicht mehr zur Gänze stattfinden.

  • Die Bemessungsereignisse, die zur Berechnung der erforderlichen Versickerungsflächen herangezogen werden, sind aktuell zu niedrig angesetzt. Das Hochwasser im September 2024, aufgrund einer 5b-Wetterlage (knapp 300mm Niederschlag in 3-4 Tagen), hat uns das leider eindrucksvoll bestätigt.

Foto Hochwasser September 2024.JPG

Foto: Freiwillige Feuerwehr Seyring

Beispiel Einzugsgebiet Seyringergraben

Der Seyringergraben wurde vor vielen, vielen Jahren reguliert und wurde seit damals nie verändert. Ganz entscheidend geändert hat sich in den Jahren 2000 bis heute jedoch das Einzugsgebiet aus den Gemeinden Großebersdorf, Hagenbrunn, Gerasdorf und Wolkersdorf. Es wurden dort in dieser kurzen Zeitspanne mehrere große Industriegebiete sowie die Autobahn errichtet und dadurch eine zusätzliche Fläche von über 300 Hektar versiegelt. Die Luftbilder aus den Jahren 2000 bzw. 2024 zeiten den Unterschied sehr eindrucksvoll. Dennoch wird bei Hochwasserereignissen oftmals der Seyringergraben zu unrecht als alleiniger "Schuldiger" ausgemacht.

Luftbild vorher bearb.png
Luftbild nachher bearb.png

Der NÖ-Regenwasserplan als gefördertes Werkzeug für Gemeinden

Das Land Niederösterreich sieht bei diesem Thema ebenfalls handlungsbedarf und hat im Jahr 2020 erstmals den Regenwasserplan, als Teil der niederösterreichischen Regenwasserstrategie, vorgestellt. Für dessen Erstellung übernimmt das Land NÖ 40 % der Kosten.  Ziel ist ein ganzheitliches Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung für das jeweilige Gemeindegebiet. Lösungen können Maßnahmen zur Versickerung, Verdunstung, Retention oder Abfluss-Verzögerung sein. Folgende allgemeinen Leitsätze wurde entwickelt:

bottom of page